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Medi­en­mit­tei­lung vom 16.07.2022

Jul 16, 2022

Kalt­brunn, 16. Juli 2022

Schluss­be­richt der unab­hän­gi­gen Unter­su­chung über Evan­ge­li­sche Gemein­de Hof Ober­kirch und Christ­li­che Schu­le Linth

Schluss­be­richt der Anwäl­te bestä­tigt erste Erkenntnisse

  • Unab­hän­gi­ge Anwäl­te sehen kei­nen Anlass an der Auf­rich­tig­keit der heu­ti­gen Füh­rungs­gre­mi­en zu zweifeln.
  • Schluss­be­richt: «Kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die Schu­le im Rah­men ihrer Bericht­erstat­tung an die Auf­sichts­be­hör­den gesetz­li­che Pflich­ten ver­letzt haben könn­te oder nicht koope­riert hätte.»
  • EGHO und CSL: «Mit Scham und Ent­set­zen den Schluss­be­richt entgegengenommen.»

Der Schluss­be­richt der Rechts­an­wäl­te Niklaus Ober­hol­zer und David Zollin­ger zur unab­hän­gi­gen Unter­su­chung bei der Evan­ge­li­schen Gemein­de Hof Ober­kirch (EGHO) und der Christ­li­chen Schu­le Linth (CSL) zu Fehl­ver­hal­ten in der Ver­gan­gen­heit bestä­tigt die ersten Erkennt­nis­se von Anfang Jahr. Die unab­hän­gi­gen Rechts­an­wäl­te machen deut­lich: «Aus Sicht des Unter­su­chungs­teams besteht jeden­falls kein Anlass, an der Auf­rich­tig­keit der heu­ti­gen Füh­rungs­gre­mi­en zu zwei­feln.» Bereits im Janu­ar 2022 berich­te­ten die EGHO und die CSL, dass es vor allem in der Zeit bis 2002 in bei­den Vor­gän­ger­ein­rich­tun­gen zu see­li­scher und kör­per­li­cher Gewalt ein­zel­ner ehe­ma­li­ger Leh­rer und Gemein­de­mit­glie­der gegen­über Kin­dern und Jugend­li­chen gekom­men ist. Dar­über hin­aus gibt es Hin­wei­se auf zwei sexu­el­le Miss­brauchs­fäl­le Ende der 1990er Jah­re durch ehe­ma­li­ge Ver­tre­ter der Schu­le und ande­re Per­so­nen, die frü­her zum Umfeld der Kir­chen­ge­mein­de zähl­ten, sowie einen Fall sexu­el­len Miss­brauchs unter zwei ehe­ma­li­gen Schü­lern. Wie bereits im Janu­ar berich­tet, agier­ten die Ver­ant­wort­li­chen nach Ansicht der Psy­cho­lo­gen in einem von ihnen geschaf­fe­nen kon­spi­ra­ti­ven Umfeld, bei dem dar­auf geach­tet wur­de, dass nicht jeder sah, was pas­sier­te. Ver­ant­wort­li­che der EGHO und der CSL haben alle Betrof­fe­nen per­sön­lich um Ver­zei­hung gebe­ten und unter­stri­chen, dass die Gre­mi­en der EGHO und der CSLzur Ver­ant­wor­tung aus der Ver­gan­gen­heit der Vor­gän­ger­ein­rich­tun­gen ste­hen. Wenn­gleich das Leid nicht unge­sche­hen gemacht wer­den kann, so wol­len bei­de Insti­tu­tio­nen das Unrecht trans­pa­rent und vor allem, soweit dies mög­lich ist, wie­der­gut­ma­chen. Der im Janu­ar 2022 ange­kün­dig­te 9‑Punkte Plan wur­de bereits wei­test­ge­hend umge­setzt. Die­ser beinhal­te­te die Zusa­ge für Unter­stüt­zung von Betrof­fe­nen sowie die Ein­rich­tung einer unab­hän­gi­gen Ombuds­stel­le für Gemein­de­mit­glie­der, Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie Eltern. Die Leh­ren aus dem Schluss­be­richt sol­len dazu bei­tra­gen, dass solch ein Fehl­ver­hal­ten in der Kir­che und an der Schu­le nicht mehr mög­lich ist. Aus Sicht des Unter­su­chungs­teams besteht kein Anlass, an der Auf­rich­tig­keit der heu­ti­gen Füh­rungs­gre­mi­en zu zwei­feln. Dar­über hin­aus kom­men die unab­hän­gi­gen Anwäl­te nach Durch­sicht aller Unter­la­gen unter ande­rem zu dem Schluss, dass kei­ne Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass die Schu­le im Rah­men ihrer Bericht­erstat­tung an die Auf­sichts­be­hör­den gesetz­li­che Pflich­ten ver­letzt haben könn­te oder nicht koope­riert hätte.

Vor dem Hin­ter­grund süd­afri­ka­ni­scher Berich­te über Ver­feh­lun­gen in der Kwa­sizaban­tu Mis­si­on (KSB) trenn­te sich die Mis­si­on Kwa­sizaban­tu Schweiz (MKS) 2019 voll­stän­dig ab und nahm den neu­en Namen Evan­ge­li­sche Gemein­de Hof Ober­kirch (EGHO) als Zei­chen der Distan­zie­rung von der KSB an. Gleich­zei­tig erfolg­te auch die Umbe­nen­nung der Schu­le von Domi­no Ser­vi­te Schu­le (DSS) in Christ­li­che Schu­le Linth (CSL). Im Zuge des­sen kam es in der Schweiz zu einer Abspal­tung und Grün­dung der neu­en Mis­si­on Kwa­sizaban­tu Schweiz, Wild­haus (SG), von der sich die EGHO distan­ziert. Im Vor­jahr hat­ten die Lei­tung der EGHO und der CSL dann auf der Basis eines Vor­schlags aus dem Früh­jahr 2021 beschlos­sen, eine unab­hän­gi­ge Unter­su­chung ein­zu­lei­ten. Ziel ist, die Geschich­te bei­der Ein­rich­tun­gen vor und nach 2019 unvor­ein­ge­nom­men und vor­be­halt­los durch unab­hän­gi­ge Instan­zen auf­zu­ar­bei­ten. Im Mit­tel­punkt der Unter­su­chung stand die Fra­ge, ob es auch in der Schwei­zer Kir­chen­ge­mein­de vor der Tren­nung von der KSB Mis­si­on zu Ver­feh­lun­gen gekom­men ist. Die Unter­su­chung stand unter der Lei­tung des ehe­ma­li­gen Bun­des­rich­ters und heu­ti­gen Part­ners der Rechts­an­walts­kanz­lei Capt Zollin­ger, Niklaus Ober­hol­zer, und sei­nes Büro­part­ners David Zollin­ger. Sie führ­ten und bewer­te­ten den Pro­zess im Rah­men einer exter­nen, unab­hän­gi­gen Unter­su­chung. Niklaus Ober­hol­zer und David Zollin­ger hat­ten Zugang zu allen alten und neu­en Akten erhal­ten. Dar­über hin­aus wur­den die ehe­ma­li­gen Schü­le­rin­nen und Schü­ler oder Mit­glie­der der Kir­che ange­schrie­ben, die sich unter dem Schutz der the­ra­peu­ti­schen Schwei­ge­plicht bis Mit­te Dezem­ber an die unab­hän­gi­ge Pra­xis­ge­mein­schaft für Psy­cho­the­ra­pie und psy­cho­lo­gi­sche Bera­tung von Dani­el und Regi­na Zwi­ker wegen mög­li­cher beob­ach­te­ter oder erfah­re­ner Ver­feh­lun­gen wen­den konnten.

Kei­ne gesetz­li­chen Pflicht­ver­let­zun­gen der Schu­le festgestellt

Im Schluss­be­richt kom­men die unab­hän­gi­gen Anwäl­te nach ein­ge­hen­der kri­ti­scher Prü­fung aller Unter­la­gen unter ande­rem zu dem Schluss, dass kei­ne Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass die Schu­le im Rah­men ihrer Bericht­erstat­tung an die Auf­sichts­be­hör­den gesetz­li­che Pflich­ten ver­letzt haben könn­te oder nicht koope­riert hät­te. Die Schu­le wur­de von den staat­li­chen Auf­sichts­in­stan­zen nach den mass­ge­ben­den gesetz­li­chen Vor­ga­ben lau­fend beglei­tet, visi­tiert und über­prüft. Mit Aus­nah­me eines Bewil­li­gungs­ent­zugs­ver­fah­rens Ende der 1990er, bezie­hungs­wei­se anfangs der 2000er Jah­re gab es von Sei­ten der staat­li­chen Auf­sichts­be­hör­den kei­ne wesent­li­chen Bean­stan­dun­gen. Soweit unter­ge­ord­ne­te Män­gel vor­han­den waren, wur­den die­se umge­hend bereinigt.

Im Rah­men der Unter­su­chung wur­den alle ehe­ma­li­gen Schü­le­rin­nen und Schü­ler oder Mit­glie­der der Kir­che zunächst schrift­lich nach mög­li­chen beob­ach­te­ten oder erfah­re­nen Ver­feh­lun­gen befragt. Ins­ge­samt wur­den 493 Per­so­nen ange­schrie­ben. 58 Per­so­nen mel­de­ten sich bei der unab­hän­gi­gen Mel­de­stel­le und schil­der­ten ihre Erfah­run­gen. 49 Rück­mel­dun­gen betra­fen die Schu­le bezie­hungs­wei­se das frü­he­re Inter­nat. Neun Per­so­nen waren nur mit der Kir­chen­ge­mein­de verbunden.

Ver­feh­lun­gen vor allem bis 2002

Die Rück­mel­dun­gen betra­fen ver­schie­de­ne For­men des Miss­brauchs: 57,5 Pro­zent der Rück­mel­dun­gen bezo­gen sich auf psy­chi­schen oder reli­giö­sen Miss­brauch; in 20,9 Pro­zent der Rück­mel­dun­gen war von kör­per­li­chem Miss­brauch die Rede. Die Angst vor kör­per­li­cher Stra­fe habe jeden­falls bis 2002, als der Ver­zicht auf Kör­per­stra­fen von der Schu­le erklärt wur­de, eine gros­se Rol­le gespielt. Gehor­sam sei nach Ansicht der Psy­cho­the­ra­peu­ten das ober­ste Gebot gewe­sen. Die Bestra­fung sei in ver­schie­de­nen For­men erfolgt: Stu­ben­ar­rest, ein bis drei Tage Essens­ent­zug, Ohr­fei­gen, Schlä­ge aller Art. Unter Hin­weis auf Text­stel­len im Alten Testa­ment sei in Pre­dig­ten auf die wich­ti­ge Bedeu­tung kör­per­li­cher Stra­fen als Erzie­hungs­mit­tel hin­ge­wie­sen worden.

13,4 Pro­zent der Mel­dun­gen bezo­gen sich auf jede Art von sexu­el­lem Miss­brauch, der auch sub­ti­le­re For­men wie etwa das Aus­zie­hen der Klei­der bei «Züch­ti­gungs­ri­tua­len» oder das über­mäs­si­ge Explo­rie­ren sexu­el­ler The­men im Rah­men der Seel­sor­ge umfass­te. Wie bereits im Janu­ar kom­mu­ni­ziert, infor­mier­ten zwei ehe­ma­li­ge Schü­le­rin­nen von wie­der­hol­ter sexu­el­ler Gewalt Ende der 1990er Jah­re durch ehe­ma­li­ge Ver­tre­ter der Schu­le und ande­re Per­so­nen, die frü­her zum Umfeld der Kirch­ge­mein­de zähl­ten. Bei dem ande­ren Fall Ende der 1990er Jah­re soll es sich um wie­der­hol­te sexu­el­le Gewalt zwi­schen zwei Schü­lern gehan­delt haben. Evi­dent war dar­über hin­aus das Fehl­ver­hal­ten von Sei­ten einer ehe­ma­li­gen Lehr­per­son in den Nuller­jah­ren mit sexu­el­len Grenz­ver­let­zun­gen gegen­über Schü­le­rin­nen. 8,2 Pro­zent der Mel­dun­gen hat­ten die wirt­schaft­li­che Aus­beu­tung zum Gegen­stand. Mehr­fach­nen­nun­gen waren möglich.

In zeit­li­cher Hin­sicht bezo­gen sich die mei­sten Mel­dun­gen der ehe­ma­li­gen Schü­ler und Schü­le­rin­nen auf Vor­fäl­le, die sich zur Zeit des ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten des dama­li­gen Missionswerks

Kwa­sizaban­tu Schweiz und Domi­no Ser­vi­te Schu­le von 1995 bis 2002 ereig­net hat­ten. Mit des­sen Abset­zung im Jahr 2002 nahm die Häu­fig­keit der Rück­mel­dun­gen und ins­be­son­de­re die Inten­si­tät der geschil­der­ten Grenz­ver­let­zun­gen und Miss­bräu­che mas­siv ab. Kör­per­li­che Züch­ti­gun­gen wur­den nach 2003 nicht mehr genannt.

Die psy­cho­lo­gi­sche Pra­xis­ge­mein­schaft fasst ihre Aus­füh­run­gen zu den von Betrof­fe­nen geschil­der­ten reli­giö­sen Grenz­ver­let­zun­gen dahin­ge­hend zusam­men, dass in der MKS und der DSS eine «Theo­lo­gie der Angst» geherrscht habe.

Wie bereits im Janu­ar kom­mu­ni­ziert, mach­ten die Aus­sa­gen der Betrof­fe­nen deut­lich, dass die Ver­ant­wort­li­chen in einem von ihnen geschaf­fen kon­spi­ra­ti­ven Umfeld agier­ten, bei dem dar­auf geach­tet wur­de, dass nicht jeder sah, was pas­sier­te. Das Ver­trau­ens­ver­hält­nis von Seel­sor­gern zu Kin­dern und Gemein­de­mit­glie­dern wur­de in den geschil­der­ten Fäl­len miss­braucht. Die Infor­ma­tio­nen der Betrof­fe­nen zei­gen, dass der reli­giö­se Miss­brauch ver­letz­te, tief ver­un­si­cher­te und kri­ti­sche Fra­gen verhinderte.

Glaub­haf­tig­keit der Aussagen

Die Wür­di­gung der Gesprächs­pro­to­kol­le der psy­cho­lo­gi­schen Pra­xis­ge­mein­schaft zeigt nach Aus­sa­gen der Juri­sten ein­drück­lich auf, dass das ideo­lo­gi­sche Grund­ge­bäu­de der KSB, mit wel­cher die MKSBS und die DSS seit ihrer Grün­dung bis zu der im Som­mer 2019 voll­zo­ge­nen Tren­nung eng ver­bun­den waren, eine wich­ti­ge Rol­le im Gemein­de- und Schul­all­tag spiel­te. Die von der KSB ver­tre­te­ne Leh­re führ­te im All­tag der Schu­le und der Gemein­de zu Grenz­über­schrei­tun­gen und teil­wei­se schwe­ren Miss­bräu­chen in reli­giö­ser, psy­chi­scher, kör­per­li­cher und sexu­el­ler Hinsicht.

Im Schluss­be­richt hal­ten die unab­hän­gi­gen Juri­sten fest, dass die Rück­mel­dun­gen zunächst nur die sub­jek­ti­ve Sicht der Betrof­fe­nen wie­der­ge­ben. Die Pra­xis­ge­mein­schaft Dani­el und Regi­na Zwi­ker hat die­se Aus­sa­gen der Betrof­fe­nen ent­ge­gen­ge­nom­men, ohne sie zu hin­ter­fra­gen oder im Hin­blick auf deren Glaub­haf­tig­keit zu über­prü­fen. Aus Sicht der Juri­sten wäre es des­halb ver­fehlt, die in der Wür­di­gung der Gesprächs­pro­to­kol­le der Gemein­schafts­pra­xis wie­der­ge­ge­ben Rück­mel­dun­gen als fest­ste­hen­de Tat­sa­chen zu wer­ten. Ander­seits spricht «viel für die Glaub­haf­tig­keit der Aus­sa­gen der Betrof­fe­nen, so ins­be­son­de­re die teil­wei­se sehr aus­ge­präg­ten Realkriterien.»

Da sich die erho­be­nen Vor­wür­fe vor allem auf die Zeit vor 2002 bezie­hen, kön­nen die­se nach Ansicht der Juri­sten weit­ge­hend nicht mehr direkt den heu­te für Kir­chen­ge­mein­de und Schu­le ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen ange­la­stet werden.

Bekennt­nis zur Schaf­fung von Trans­pa­renz und zur radi­ka­len Neu­aus­rich­tung Der Schluss­be­richt betont: «Die Reak­ti­on der ver­ant­wort­li­chen Füh­rungs­per­so­nen und die von ihnen teil­wei­se bereits umge­setz­ten, teil­wei­se erst in Aus­sicht genom­me­nen Mass­nah­men bele­gen, dass es Gemein­de und Schu­le mit ihrem Bekennt­nis zur Schaf­fung von Trans­pa­renz im Hin­blick auf die Ver­gan­gen­heit und einer radi­ka­len Neu­aus­rich­tung für die Zukunft ernst ist». Aus den Reak­tio­nen von EGHO und CSL zu den ersten Erkennt­nis­sen der Unter­su­chung gehe her­vor, wie erschüt­tert die heu­ti­gen Lei­tungs­gre­mi­en sind. «Sie ver­heh­len nichts, ste­hen zu ihrer Ver­ant­wor­tung aus der Ver­gan­gen­heit und bit­ten die von Gewalt und Miss­bräu­chen Betrof­fe­nen in aller Form um Ent­schul­di­gung für das Leid, das ihnen ange­tan wur­de. Aus Sicht des Unter­su­chungs­teams besteht jeden­falls kein Anlass, an der Auf­rich­tig­keit der heu­ti­gen Füh­rungs­gre­mi­en zu zwei­feln», so die Rechts­an­wäl­te Niklaus Ober­hol­zer und David Zollinger.

«Mit Scham und Ent­set­zen haben wir den Schluss­be­richt der Rechts­an­wäl­te Niklaus Ober­hol­zer und David Zollin­ger zur unab­hän­gi­gen Unter­su­chung über Ver­feh­lun­gen in der Kir­chen­ge­mein­de und der Schu­le zur Kennt­nis genom­men. Wir sind dank­bar für die gelei­ste­te Arbeit und Offen­heit der unab­hän­gi­gen Juri­sten und der unab­hän­gi­gen Pra­xis­ge­mein­schaft für Psy­cho­the­ra­pie und psy­cho­lo­gi­sche Bera­tung in Bern. Unein­ge­schränk­te Trans­pa­renz ist die Basis für die Zukunft. Wir haben per­sön­lich die Betrof­fe­nen um Ver­zei­hung gebe­ten und zum Dia­log ein­ge­la­den. Wir möch­te auch an die­ser Stel­le noch­mals um Ver­zei­hung bit­ten. Jeder von uns, der in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit Ver­ant­wor­tung über­nom­men hat oder heu­te Ver­ant­wor­tung trägt, ist erschüt­tert über das Leid, das den Men­schen ange­tan wur­de. Wir haben Zei­chen zu lan­ge nicht wahr­ge­nom­men und die Betrof­fe­nen allein gelas­sen. Wir haben uns zu schnell mit ein­fa­chen Ant­wor­ten und Erklä­run­gen zufrie­den­ge­ge­ben. Das war falsch. Wir bedau­ern dies aus tief­stem Her­zen», so Oth­mar Voser, Prä­si­dent der EGHO bis Früh­jahr 2022.

Kon­kret hat­ten Kir­chen­ge­mein­de und Schu­le neun Mass­nah­men beschlossen:

  1. Alle Gemein­de­ver­ant­wort­li­chen der EGHO, der Vor­stand des Trä­ger­ver­eins der CSL und der Schul­rat der CSL sind von ihren Ämtern zurück­ge­tre­ten. Die Wah­len der neu­en Gre­mi­en wur­den abge­schlos­sen. Die ent­spre­chen­den Ände­run­gen in den Regi­stern wur­den bezie­hungs­wei­se wer­den bean­tragt. Zuvor hat­te sich die Gemein­de eine neue Struk­tur gege­ben. Inter­es­sier­te müs­sen nun eine for­mel­le Mit­glied­schaft bean­tra­gen. Die Ver­ant­wort­li­chen der Gemein­de wur­den erst­mals direkt von den Mit­glie­dern gewählt.
  2. Sämt­li­che Lehr­per­so­nen, die in irgend­ei­ner Wei­se durch Unter­las­sung oder akti­ves Zutun Ver­ant­wor­tung für die Miss­bräu­che tra­gen, sind heu­te nicht mehr an der CSL tätig.
  3. Die CSL bie­tet zur Prä­ven­ti­on von Miss­brauch im Rah­men der Leh­rer­fort­bil­dung geeig­ne­te Inhal­te an und wird dar­über hin­aus bei Neu­ein­stel­lun­gen von Lehr­per­so­nen ein aus­führ­li­ches Assess­ment durchführen
  4. Die zustän­di­gen Behör­den wur­den über die Erkennt­nis­se der Unter­su­chung und die Ver­än­de­run­gen sowie Mass­nah­men informiert.
  5. Ehe­ma­li­ge Ver­ant­wort­li­che der Gemein­de wie auch der Schu­le haben bei allen Betrof­fe­nen von Miss­brauch oder grenz­über­schrei­ten­dem Ver­hal­ten in per­sön­li­chen Brie­fen in aller Form offi­zi­ell für das ihnen ange­ta­ne Leid um Ent­schul­di­gung gebeten.
  6. Der Dia­log mit den Betrof­fe­nen soll wei­ter­ge­führt wer­den. EGHO und CSL haben den Betrof­fe­nen direk­te Gesprä­che angeboten.
  7. Wenn Hil­fe benö­tigt wird, deren Kosten nicht von Drit­ten erstat­tet wer­den, wer­den die­se über­nom­men. Es wird unbü­ro­kra­ti­sche Unter­stüt­zung in beson­de­ren Fäl­len ange­bo­ten. Dafür wur­de ein Pro­zess unter Ein­bin­dung einer unab­hän­gi­gen Exper­tin ent­wickelt, der den Betrof­fe­nen in geeig­ne­ter Wei­se mit­ge­teilt wird.
  8. EGHO und CSL för­dern eine Kul­tur der Offen­heit. Dazu wur­de eine unab­hän­gi­ge Ombuds­stel­le für Gemein­de­mit­glie­der ein­ge­rich­tet. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie Eltern der CSL wer­den über eine Ombuds­stel­le der Schu­le zu Beginn des neu­en Schul­jahrs 2022/23 informiert.
  9. EGHO und CSL haben mit ihren Rechts­be­ra­tern mög­li­che recht­li­che Schrit­te gegen Ver­ant­wort­li­che im Zusam­men­hang mit den ange­führ­ten Ver­feh­lun­gen geprüft.  Das Unter­su­chungs­team hat die­se Fra­ge in gene­rel­ler Hin­sicht verneint.

Die Juri­sten hal­ten grund­sätz­lich im Schluss­be­richt fest, dass «die vor­lie­gen­de Unter­su­chung nicht zum Ziel hat, indi­vi­du­ell-kon­kre­te Ein­zel­hand­lun­gen unter recht­li­chen Gesichts­punk­ten auf­zu­ar­bei­ten. Auto­ri­ta­ti­ve und damit rechts­ver­bind­li­che Fest­stel­lun­gen über ein absicht­li­ches oder fahr­läs­si­ges wider­recht­li­ches Ver­hal­ten sowie eines dar­aus resul­tie­ren­den Scha­dens (vgl. Art. 41 OR) bzw. über tat­be­stands­mäs­si­ges, rechts­wid­ri­ges und schuld­haf­tes Ver­hal­ten im Sin­ne des Straf­rechts kann im kon­kre­ten Ein­zel­fall nur ein Gericht tref­fen. Den von einem mög­li­chen Scha­den oder einer mög­li­chen Straf­tat betrof­fe­nen ehe­ma­li­gen Schü­lern und Schü­le­rin­nen oder Gemein­de­mit­glie­dern steht es offen, so die unab­hän­gi­gen Juri­sten, bei den dafür vor­ge­se­he­nen Instan­zen in einem dafür vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren ein ent­spre­chen­des Ver­fah­ren in die Wege zu leiten.»

Über die Christ­li­che Schu­le Linth (CSL)
Die Christ­li­che Schu­le Linth, die sich 2019 als Zei­chen der ein­deu­ti­gen Distan­zie­rung von der KSB den heu­ti­gen Namen gege­ben hat, ist eine vom Bil­dungs­rat des Kan­tons St. Gal­len bewil­lig­te Pri­vat­schu­le. Die CSL bie­tet vom Kin­der­gar­ten bis zur 9. Klas­se päd­ago­gi­schen Unter­richt für aktu­ell rund 40 Schü­le­rin­nen und Schü­ler an. Sie basiert auf bibli­scher Grund­la­ge und pflegt die christ­li­chen Wer­te. Ihr Unter­richt basiert auf dem Lehr­plan Volks­schu­le des Kt. St. Gal­len. Die Schu­le finan­ziert sich über Schul­gel­der und Spen­den. www.cslinth.ch

Über die Evan­ge­li­sche Gemein­de Hof Ober­kirch (EGHO)
Die Evan­ge­li­sche Gemein­de Hof Ober­kirch (EGHO) ist eine unab­hän­gi­ge Frei­kir­che. Sie stellt sich auf die Grund­la­ge des Evan­ge­li­ums von Jesus Chri­stus, wie es in der Hei­li­gen Schrift gege­ben, in den Bekennt­nis­sen der Refor­ma­ti­on bezeugt und in der Glau­bens­ba­sis der Euro­päi­schen Evan­ge­li­schen Alli­anz (EEA) ver­fasst ist. Die Gemein­de finan­ziert sich über Spen­den und umfasst rund 150 Mit­glie­der. Anfang 2019 hat­te sich die EGHO, Kalt­brunn, nach Bekannt­wer­den von Kor­rup­ti­ons- und Miss­brauchs­vor­wür­fen, von der evan­ge­li­ka­len Mis­si­ons­ge­mein­schaft KSB in Süd­afri­ka getrennt. Im Zuge des­sen kam es in der Schweiz zu einer Abspal­tung und Grün­dung der Mis­si­on Kwa­sizaban­tu Schweiz, Wild­haus (SG), von der sich die EGHO distan­zier­te. www.egho.ch

Inter­es­sier­te kön­nen den Schluss­be­richt der unab­hän­gi­gen Unter­su­chung über die Evan­ge­li­sche Gemein­de Hof Ober­kirch und die Christ­li­che Schu­le Linth per mail (untersuchungsbericht@mail.ch) anfordern.

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